Rom ist – bis auf das mittelalterliche dicht bebaute Zentrum in der Schleife des Tibers – eine grüne von Landschaftsräumen geprägte Stadt. Neben den Hügeln schiebt sich von Südosten fingerartig ein großer Grünzug bis an den Tiber im Bereich des Circus Maximus heran. Eingebettet in den Grünraum liegt die archäologische Stätte der Caracalla-Thermen mit ihren aus antiker Zeit stammenden Ruinen. Umgeben ist der Ort von vielfältigen anderen Nutzungen, die dem großen kulturellen Wert der Ausgrabungsstätte nicht gerecht werden. Im Norden angrenzend befindet sich derzeit das den Maßstab sprengende Verwaltungsgebäude der FAO (Welternährungsorganisation der UN) und ein Sportplatz, im Süden eine Gärtnerei. Südwestlich wird eine Teilfläche bis an die Aurelianische Mauer landwirtschaftlich genutzt. Teile des innerhalb der Mauer liegenden Areals sind fragmentarisch mit Wohngebäuden bebaut, in den Landschaftsraum eingestreut befinden sich zudem als Solitäre ehemalige Klöster, Kirchen, Schulen und Villen.
Die Caracalla-Thermen – bis heute eine der bedeutendsten Thermenanlagen Roms, nahe der alten Via Appia gelegen – wurden im dritten Jahrhundert nach Christus gebaut. Sie sind einer jener Orte, an denen sich Natur und Architektur seit Jahrhunderten ununterbrochen ineinander verweben, und dabei immer wieder neue Funktionen erfüllen. So werden diese Räume zu städtischen Kulturlandschaften – typologisch erkennbar und identitätsstiftend zugleich. Ein wichtiger Aspekt in der Zeitgeschichte dieses Ortes ist die Begegnung von Ruine und Musik, denn seit den 1930er-Jahren erklingt zwischen den gewaltigen archäologischen Mauern der Caracalla-Thermen im Sommer die Oper Roms unter freiem Himmel. Bis heute verwandeln sich die antike Ruine in den Sommermonaten in eine Bühne für die Aufführungen.
Wie könnte das neue Vestibül aussehen? Seine Räumlichkeiten sollen als Ort der Ankunft und Begegnung dienen und der Öffentlichkeit sowohl vor als auch nach den Veranstaltungen zugänglich sein. Für dieses neue, identitätsstiftende Gefüge gilt es, einen Ort im Gelände der Caracalla-Thermen zu bestimmen, der sich durch seine unterschiedlichen Situationen und Atmosphären auszeichnet. Dabei können sowohl Orte in unmittelbarem Verhältnis zu den Ruinen und somit zum archäologischen Bestand wirksam werden als auch solche in unmittelbarer Nähe zur Grenze der einstigen großen Hofanlage – im offenen Feld und damit näher an den umliegenden Straßen gelegen.
Der Entwurf für das neue Vestibül der Oper Rom an den Caracalla-Thermen, bei dem das neue Gebäude (oder die neue Gebäuden) in Beziehung zur vorgefundenen Landschaft und den Ruinen gesetzt wird, bietet die Gelegenheit, mit der Rezeption der Vergangenheit und der Präzeption der Zukunft von Architektur und ihrem Ort zu arbeiten. Dies sollte stets im Bewusstsein geschehen, dass jeder Entwurf immer eine Schicht innerhalb der Palimpsest der Caracalla-Thermen und der Stadt Rom darstellt.
____________
Die Einführung in die Aufgabenstellung der Bachelorarbeit findet am Dienstag, den 20.10. 2026 um 10:00 Uhr im Seminarraum R209 des Lehr- und Forschungsgebiets Raumgestaltung statt.
Die wöchentlichen Treffen (Betreuungen / Kolloquien) des Kurses finden dienstags in den Räumen des Lehr- und Forschungsgebiets Raumgestaltung statt. Etwaige Änderungen dieses Zeitplans werden von der Kursleitung im Voraus bekannt gegeben.
____________
Die Bachelorarbeit „Vestibül. Caracalla-Thermen, Rom“ wird im Rahmen der fakultätsweiten Präsentation der Bachelorarbeiten am 9. Oktober 2026 ab 10 Uhr vorgestellt. Die Vorstellung findet digital via Zoom statt.
https://rwth.zoom-x.de/j/64394051445?pwd=QMOD6aV5aHkQOTlMFzb5r5tf8xbPsr.1
Meeting-ID: 643 9405 1445
Kenncode: 316217
Module: Vestibül. Caracalla-Thermen, Rom
Module Code: 21.00148
Semester: WS
Jahr: 2026/27