„Das Einbauen der Kirchen und Paläste lenkt die Betrachtung wieder zu dem Typus des antiken Forums zurück mit seiner strengen Geschlossenheit gegen aussen. Untersucht man die mittelalterlichen und Renaissance-Plätze, besonders in Italien, nunmehr auf diese besondere Eigenschaft, so gewahrt man bald, dass auch in diesem Punkte die Tradition sich lange erhielt und wie ungemein viel gerade dieser Umstand zur harmonischen Gesammtwirkung beiträgt. Schon nach dem bisher Geschilderten ist es einleuchtend, dass ein freier Raum im Innern einer Stadt hauptsächlich dadurch ja erst zum Platz wird. Heute wird freilich auch der blosse leere Raum so benannt, welcher entsteht, wenn eine von vier Strassen umsäumte Baustelle einfach unverbaut bleiben soll. In hygienischer und mancher anderen technischen Beziehung mag das allein schon genügen; in künstlerischer Beziehung ist ein blos unverbauter Fleck noch kein Stadtplatz. Streng genommen gehört von diesem Standpunkte aus sogar sehr viel noch dazu an Ausschmückung, Bedeutung, Charakter; aber so wie es möblirte Zimmer und auch leere gibt, so könnte man von eingerichteten und noch uneingerichteten Plätzen reden, die Hauptbedingung dazu ist aber beim Platz sowie beim Zimmer die Geschlossenheit des Raumes.“ [1]
[1] Camillo Sitte, Der Städte-Bau nach seinen künstlerischen Grundsätzen: ein Beitrag zur Lösung modernster Fragen der Architektur und monumentalen Plastik unter besonderer Beziehung auf Wien. Wien, Verlag von Carl Graeser, 1889, S. 35. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 3829, https://doi.org/10.3931/e-rara-18721 / Public Domain Mark (zuletzt abgerufen 18.03.2026)
Das Forschungsfeld The Form of Urban Voids (wörtlich: „Formen der urbanen Leere“) widmet sich der analytischen und entwurfsorientierten Untersuchung der Morphologie und Räumlichkeit der italienischen Stadt Pescara in der Region Abruzzen. Der Kurs ist ein integraler Bestandteil des umfassenderen internationalen Erasmus+-Forschungsrahmens „Blended Intensive Programme (BIP) – The Form of Urban Voids“, von dem er auch seinen Titel übernimmt.
Das von der Fakultät für Architektur der Universität „G. D’Annunzio“ Chieti–Pescara organisierte Programm fokussiert sich auf die Untersuchung der formalen und räumlichen Merkmale zeitgenössischer öffentlicher Stadträume. Ziel ist es, unter anderem, die Rolle öffentlicher Räume (wie Plätze, Gärten, Parks und Straßen) in der zeitgenössischen Stadt kritisch zu hinterfragen. Dies geschieht durch die Anwendung von Methoden der morphologischen Analyse auf ausgewählte Fallstudien sowie durch experimentelle, entwurfsorientierte Forschungsansätze.
Das Programm umfasst zudem die Teilnahme an einem einwöchigen, intensiven Entwurfsworkshop in Pescara vom 31. August bis zum 7. September 2026 (*), an dem Studierende gemeinsam mit Forschenden der beteiligten Partneruniversitäten teilnehmen werden. Neben der Universität „G. D’Annunzio“ von Chieti–Pescara und der RWTH Aachen University sind sechs weitere internationale Universitäten an dem Programm beteiligt: die Universidad de Málaga (Spanien), die University of Cyprus (Zypern), die Dokuz Eylül University (Türkei), die Universidade de Lisboa (Portugal), die Technische Universität Gheorghe Asachi in Iasi (Rumänien) und die Norwegian University of Life Sciences (Norwegen).
Das Forschungsfeld The Form of Urban Voids ist Teil des Beitrags des Lehr- und Forschungsgebiets Raumgestaltung der RWTH Aachen University zum BIP-Programm und legt die konzeptionellen und methodischen Grundlagen für den abschließenden Workshop in Pescara. Im Kurs werden die Studierenden die Stadt Pescara in verschiedenen historischen Momenten und Maßstäben untersuchen – durch städtebauliche Analysen, Nachzeichnungen und Raumkartierungen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht insbesondere die räumliche Typologie des Platzes. Dabei werden sowohl bestehende Plätze im historischen Stadtkern als auch neu entstandene Räume in den jüngeren Entwicklungsgebieten der Stadt untersucht. Ziel ist es, Strategien für mögliche Entwurfsinterventionen zu entwickeln, die auf aktuelle räumliche Herausforderungen reagieren. Der kritische Beitrag der Studierenden ist ein zentraler Bestandteil dieses Forschungsprozesses. Dabei sollen sie jene städtischen Bereiche identifizieren, in denen planerische und gestalterische Eingriffe besonders erforderlich sind. Ein Fokus liegt dabei auf den sich stetig ausweitenden Randgebieten der Stadt, die oft von unkontrolliertem Wachstum und mangelnder räumlicher Gestaltung geprägt sind.
(*) Bitte beachten: Der Kurs geht bis Mitte September. Die Teilnahme an dem Forschungsfeld ist Voraussetzung für die Teilnahme am Workshop vor Ort in Pescara (31.08.–07.09.2026).
Die Einführung in die Aufgabenstellung des Wahlfaches findet am Donnerstag, den 16.04.2026 um 12:30 Uhr im Seminarraum R209 des Lehr- und Forschungsgebiets Raumgestaltung statt.
Die wöchentlichen Treffen und Betreuungen finden donnerstags von 12:30 bis 14:30 Uhr in den Räumen des Lehr- und Forschungsgebiets Raumgestaltung statt. Etwaige Änderungen dieses Zeitplans werden von der Kursleitung im Voraus bekannt gegeben.
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Am Mittwoch, den 01.04.2026 findet um 14:00 Uhr eine allgemeine Vorstellung der Lehrveranstaltungen und Projekte des Lehr- und Forschungsgebiets Raumgestaltung digital via Zoom statt:
https://rwth.zoom-x.de/j/62871727513?pwd=Pz9PAeNWWiQATEpl1y0SLsbumeNfxX.1
Meeting-ID: 628 7172 7513
Kenncode: 092853
Module: Forschungsfeld M. Sc. –"The Form of Urban Voids"
Module Code: 21.00188
Semester: SS
Jahr: 2026